Hochschwab – immer dem Wind nach!

Nicht zum ersten Mal parkten wir unser Auto beim Gasthaus Bodenbauer. Ziemlich genau vor einem Jahr – nämlich am 25. Oktober 2016 – taten wir dasselbe mit dem Ziel vor Augen, den Gipfel des Hochschwab (2277 m) zu erreichen. Leider erfolglos – starker Wind und Nebel machten uns etwa 250 hm unter dem Gipfel einen Strich durch die Rechnung.

Anja und Sandro bei der Hochschwabwanderung

Hochschwab – die Zweite

Heuer wagten wir – pünktlich zum Nationalfeiertag und bevor das ‚richtige‘ Training wieder beginnt – den zweiten Versuch. Wir waren früh am Ausgangspunkt und deshalb unter den ersten, die Richtung Gipfel aufbrachen. Zuerst relativ flach, fing es bald an zu steigen. Im Schutz des Waldes wurde uns langsam warm und wir konnten ein paar Schichten ablegen. Immer wieder warfen wir Blicke nach oben gen Himmel. So richtig blau wollte er nicht werden. Es fühlte sich an, als wäre es wieder 2016 – Anja trug, unbewusst, sogar dieselbe Kleidung. Aber: Die Hoffnung auf eine erfolgreiche Besteigung des Hochschwab stirbt zuletzt!

Anja und Sandro sitzend auf einer Bank, Hochschwab

Sandro auf einem Wanderweg, Hochschwab

Endlich wurde es steiler und die Bäume lichteten sich. Leider begrüßte uns sogleich der Wind, aber alles in einem erträglichen Rahmen. Während wir so dahin tratschten – auf einer Bergtour lässt es sich am besten über alles Mögliche philosophieren – sammelten wir Höhenmeter um Höhenmeter. Und schon bald sahen wir uns mit dem ersten Schnee konfrontiert. Ein Trailrunner – der vor uns vom Bodenbauer gestartet war – kam uns plötzlich wieder entgegen und beklagte Schnee bis zu den Knien. Wir sahen uns vor unserem inneren Auge bereits wieder umdrehen. Doch mit den hohen Bergschuhen kein Problem. In diesem Kessel vor dem steilen Anstieg über das G’hackte ahnten wir noch nicht, welche Aussicht uns oben erwarten würde.

Anja am Wanderwe, Hochschwab

Sandro, Hochschwab

Das G’hackte

Bis jetzt wars gemütlich. Nun aber stellte sich vor uns eine Rinne auf, bedeckt mit Schnee. Die Versicherungen waren zu Beginn gar nicht zu sehen. Bevor wir allerdings in diesen steilen Abschnitt – genannt „Das G’hackte“ – starteten, setzten wir unsere Helme auf. Denn es sei euch gesagt: Nur wer etwas im Kopf hat, muss es auch schützen. 😉 Kletterhelme gibt es in alle Farben und in allen Preisklassen und sie haben dabei fast kein Gewicht. Was sie alle gemeinsam haben: Sie schützen vor Steinschlag. Deshalb Helm lieber einmal mehr einpacken und aufsetzen, als einmal zu wenig. Angenehmer Nebeneffekt: Es ist einem auch gleich nicht mehr so kalt um die Ohren herum.

Anja bei einer Seil versicherten Stelle, Hochschwab

Anja und Sandro Selfie, Hochschwab

Im G’hackten überquerten wir zuerst das Schneefeld und hielten uns dann bis etwa zur Hälfte links. Anschließend die erneute Querung, als wir wieder Versicherungen aus dem Schnee stehen sahen. Konzentriert und zügig hatten wir auch die gefährlicheren Stellen bald gemeistert. Das Gipfelkreuz des Hochschwab kam in unsere Sichtweite. Und der Sturm in unsere Hörweite.

Gipfelkreuz Hochschwab in der Ferne

Fleischer Biwak

Nach dem G’hackten hat man noch ein kurzes Stück, bis man auf eine Hochfläche gelangt und plötzlich eine umwerfende Aussicht genießen kann. Die kleine, gelbe Biwakschachtel steht verloren dar. Der stürmische Wind und auch der rasche Nebelaufzug – den wir im letzen Jahr erlebt hatten – ließ erahnen, wieso dieses Biwak an genau dieser Stelle errichtet wurde. Und auch bei näherer Recherche erfährt man, dass dieses Biwak einen traurigen Ursprung hat: Ferdinand Fleischer – Alpenvereinsobmann – geriet 1903 gemeinsam mit Kollegen an dieser Stelle in einen Schneesturm und kam ums Leben (vgl. https://www.bergwelten.com/h/fleischer-biwak).

Anja neben der Biwakschachtel, Hochschwab

Hochschwab – ein einfacher Berg?

Wenige Höhenmeter nach dem Fleischer Biwak standen wir am Gipfel. Der Sturm pfiff uns um die Ohren und bringt uns ab und an aus dem Gleichgewicht. Nebel war dieses Mal keiner zu sehen. Und siehe da, langsam öffneten sich auch die hohen Schleierwolken! An dieser Stelle meinten wir, dass der Hochschwab – wenn das Wetter passt – eigentlich relativ einfach zu besteigen ist. Nur wenige richtig steile Stellen, gute Versicherungen, nur eine kurze Kletterpassage durchs G’hackte.

Wegweiser, Hochschwab

Sandro bei seinen letzten Meter vorm Gipfelkreuz, Hochschwab

Nach einigen Fotos kehrten wir um. Sandro hatte bereits mit frierenden Fingern zu kämpfen. Wieder am Fleischer Biwak angekommen nahmen wir allerdings nicht denselben Weg zurück, sondern schlugen den Weg geradeaus Richtung Häuselalm ein. Sandro kannte den Abstieg und so warfen wir keinen weiteren Blick auf die Zeitangabe auf der gelben Tafel. Das war der Moment, der dazu führte, dass wir unsere Meinung bezüglich „Hochschwab – ein einfacher Berg“ änderten.

Anja beim überqueren eines Schneefeld, Hochschwab

Anja und Sandro am Gipfelkreuz vom Hochschwab

Abstieg über Häuselalm

Wer viel Zeit, tolles Wetter und ausreichend Kraftreserven hat, sollte unbedingt diesen Weg einschlagen. Es war einer der schönsten Abstiege, die wir je hatten. Die Sonne schien uns plötzlich ins Gesicht und das Panorama war schier atemberaubend. Jetzt kommt das ABER: Man muss mit einer Abstiegszeit von mindestens 3 Stunden rechnen. Auch ein paar Gegenanstiege warten noch und sollte das Wetter nicht mitspielen, kann die Orientierung zum Problem werden. Die Höhenmeter, die man im Abstieg schnell gewonnen hatte, verlor man auf dieser Strecke nur langsam.

Sandro dahinter die wunderschöne Berglandschaft, Hochschwab

Anja und dahinter die wunderschöne Berglandschaft, Hochschwab

Frische Luft macht glücklich

Und was uns noch glücklich gemacht hat: Als Anja sich nach einem Wegstück zufällig kurz umdrehte, blieb ihr der Mund offen stehen: Eine ganze Herde an riesigen und auch dicken Steinböcken sonnte sich am Gegenhang. Mit Ehrfurcht und Dankbarkeit beobachteten wir die Tiere. Zu nahe wollten wir ihnen ohnehin nicht kommen. 😉

Anja im Hintergrund Steinböcke, Hochschwab

Steinböcke, Hochschwab