Unser erstes Etappenrennen: Das 4 Islands in Kroatien

Die Rennherausforderung mit einem Abenteuer zu kombinieren: Wir lieben es! Und deshalb sollte es heuer etwas ganz Besonderes sein: Das MITAS 4 Islands Stage Race in Kroatien wählten wir als unseren Saisonstart und gleichzeitig als eines unserer Saisonhighlights. „Making Memories“ war unser Motto.

Kribbeln im Bauch

Bereits am Dienstag, 10. April stiegen wir ins Auto, um in Baska auf der Insel Krk ins erste Hotel einzuchecken. Dort erhielten wir auch unsere Startunterlagen. Als uns diese in die Hand gedrückt wurden, verspürten wir schon etwas kribbeln im Bauch. Unser erstes Etappenrennen! Hoffentlich geht alles gut…

4 islands Kroatien 2018, Anja mit Startnummern Sackerl am Strand von Baska

Im Hotelzimmer angekommen bereiteten wir alles für den nächsten Tag und die erste 4 Islands Etappe vor. Startnummern anbringen, Tagestasche packen, Gels und Ensure abzählen und bereitlegen, Bike-Bekleidung auswählen, zum Essen gehen, anschließend Rider’s Briefing. Das sollte auch unser Ritual für die kommenden Tage bleiben. Beim Abendessen im Hotel waren wir sofort überglücklich, dass es Buffet gab (was hatten wir auch in einem solchen riiiiesen Hotel erwartet?!). Da wurden wir immer fündig und konnten unsere Speicher gut auffüllen.

4 islands Kroatien 2018, Sandro beim Startnummer montieren

4 Islands 1. Etappe: Krk

Direkt vor dem Hotel wurden wir am Dienstag auf die erste Etappe über 75 km und 1750 Höhenmeter losgelassen. Nervös aber voller Vorfreude standen wir am Start und waren guter Dinge, dass wir die eigentlich recht wenigen Höhenmeter für diese Distanz bald hinter uns gebracht werden haben.

4 islands Kroatien 2018, Anja und Sandro

Der erste Anstieg auf der ersten Etappe des 4 Islands war höhenmetertechnisch der längste: 400 hm auf einem schmalen Pfad in Serpentinen nach oben. Stau vorprogrammiert! Wir fühlten uns gut und erhaschten bald den ersten Blick auf „den Mond“. „Mond“ deshalb, weil es auf diesem Plateau mit dem kahlen, steinigen Boden aussieht, wie wir es uns auf dem Mond vorstellen.

4 islands Kroatien 2018, Anja und Sandro

4 islands Kroatien 2018, Anja und Sandro

Auf dem „Mond“ wurden wir mit der ersten Herausforderung konfrontiert: Ein teils sehr steiniger, mühsamer Pfad bei dem man ordentlich Kraft verbrauchte und bei vielen Fahrern auch die ersten technischen Probleme verursachte, stand uns bevor. Und im Anschluss daran ging es über die längste Abfahrt dieser Etappe (ca. 6 km) über eine durch Steine und Felsen verblockte schmale Abfahrt wieder auf Meereshöhe retour. Nicht wenige Fahrer mussten hier mehrmals stehen bleiben, da sie die Hände nicht mehr spürten.

4 islands Kroatien 2018, Anja und Sandro

Wir konnten fast alles mit minimal Risiko durchfahren. Stehenbleiben wollten wir nicht, hilft ja nichts. Als wir allerdings nach der Abfahrt auf unseren Garmin schauten, ahnten wir bereits, dass es trotz der wenigen Höhenmeter, ein langer Tag werden würde. Denn für die ersten 20 Kilometer brauchten wir gut 2,5 Stunden!

Auch die restlichen 50 Kilometer wurden nicht einfacher. Viele schmale, leicht ansteigende Pfade mit Steinen und Geröll machten uns das Leben schwer. Wir blieben aber positiv und rasten die letzten 5 Kilometer auf einem flachen breiten Weg mit Windschatten für Anja ins Ziel. Dabei hatte Anja  in einer Kurve noch ein kurzes „Stelldichein“ mit einem Dornengestrüpp, was aber nicht weiter tragisch war.

4 islands Kroatien 2018, Anja und Sandro

Ohne Defekt und ohne Sturz kamen wir nach knapp 5 1/2 Stunden ins Ziel.
Noch ein Stündchen drauf legten wir beim Warten auf das Bike Wash. Aus irgendeinem Grund hatte die Organisation – die ansonsten wirklich sehr, sehr top war! – nur 2 Waschstellen vorbereitet.

4 islands Kroatien 2018, Anja wartet beim Bike Wash

Im Zimmer des Hotels angekommen diskutierten wir den Spaßfaktor, während wir unsere Koffer für den Weitertransport am nächsten Tag packten, und kamen zum Schluss, dass dieser sich an diesem Tag eigentlich in Grenzen gehalten hat. Das 4 Islands konnte ja heiter werden!

4 Islands 2. Etappe: Rab

Früh aufstehen, frühstücken und Check-out hieß es am Mittwoch. Wie beim Briefing am Tag zuvor angekündigt, ließ der Regen nicht lange auf sich warten. Vor dem Hotel standen wir mit vielen anderen und warteten auf den LKW, der unsere Koffer zum nächsten Hotel auf Rab transportierte. Unsere Räder hatten am Vortag bereits im Bike Depot abgeben müssen. Sie waren bereits auf der Fähre.

4 Islands Kroatien 2018, Rab

Mit dem Bus wurden wir dann um 7:15 Uhr zur Fähre gebracht, mit der wir dann 1,5 Stunden auf die Insel Rab fuhren. Abenteuerfaktor 100! In unseren Tagestaschen hatten wir alle Regenutensilien dabei und bereiteten uns damit kurz vor Ankunft auf einen nassen Tag vor. Danach aussteigen, Rad aus der Fähre abholen, noch schnell ein Ensure trinken, Tagestasche abgeben und um 11:00 Uhr ertönte das „Hupen“ der Fähre als Startschuss. Ca.500 Biker rasten von der Fähre in den Regen auf dreckigen Pfaden über die Insel Rab.

4 islands Kroatien 2018, Sandro

65 Kilometer und 1150 Höhenmeter – wieder meint man, es sei eine einfache Sache. Der Regen weichte die Strecke aber extrem auf, teilweise standen wir in 20 Zentimeter tiefem Gatsch und auch dieser typische rote Sand setzte sich überall fest. Aber es hilft nichts, denn wenn du „zwieda“ bist, regnets auch. Und so nahmen wir diese Etappe mit einem Lachen und Humor. Sandro war zwar nicht gerade begeistert von den Tönen, die unsere Schaltungen von sich gaben, aber unsere Bikes hielten bis zum Schluss!

4 islands Kroatien 2018, Anja und Sandro

Wir hatten Glück, dass auf dieser Etappe weniger steinige Passagen waren, nur die letzte Abfahrt war nochmal konzentriert zu fahren, denn wer will schon rechts daneben ins Meer runterstürzen?

4 islands Kroatien 2018, Rab, Zielabfahrt

Schon interessant zu sehen, was in anderen Ländern bei der Streckenführung noch möglich ist. Wir glauben, dass manche Passagen, die beim 4 Islands gefahren wurden, bei uns in Österreich nicht genehmigt werden würden. Auch sicherten teilweise die Volunteers große Straßenquerungen ab. Nur bei richtig großen Kreuzungen stand die Polizei. Wir finden das aber positiv! Denn im Endeffekt ist es ja genau das, was Mountainbiker wollen: Technische und einmalige Trails.

4 islands Kroatien 2018, Anja und Sandro

Anja ist seit ihrem schwerem Sturz im Gatsch beim Bike&Road Rennen in Stubenberg, ein leichter „Scheißer“, was gatschige und schlammige Passagen betrifft. Wir verloren daher auf dieser Etappe – obwohl es uns gut ging – sehr viel Zeit und finishten nach 5 Stunden.

4 islands Kroatien 2018, Rab

Die Zielgerade verlief über den „Paradise Beach“ – diese Erinnerungen nimmt uns keiner mehr!

4 islands Kroatien 2018, Anja und Sandro

Leider wurde es für uns an diesem Tag noch sehr stressig. Wir kamen um ca. 16 Uhr ins Ziel, mussten unsere Räder waschen, zum Bike Depot bringen und mit einem Bummelzug retour zum Hotel fahren. Um 17.30 Uhr versuchten wir notdürftig unsere Kleidung in der Minidusche des Hotels zu waschen. Wir befürchteten bereits, das nichts davon trocken werden würde. Der Dreck rann in Strömen den Abfluss der Dusche hinunter. Wir schafften es gerade so bis zum Abendessen um 19 Uhr einigermaßen für den nächsten Tag vorbereitet zu sein. Nach dem Abendessen gings zum Briefing. Um 21.30 Uhr fielen wir dann völlig erschöpft ins Bett. Der Wecker für den nächsten Tag klingelte wieder um 5 Uhr.
Das 4 Islands machte es uns nicht einfach, ein Finisher-Shirt zu bekommen! 😉

4 Islands 3. Etappe: Cres

Nicht nur wir schauten auf der Fähre unterwegs nach Cres sehr müde aus der Wäsche.

4 islands Kroatien 2018, Anja und Sandro

Wobei es FERTIG wahrscheinlich eher trifft. Beim Briefing am Vortag wurde uns wieder erzählt, dass es regnen könnte. Die „Queen Stage“ auf Cres wurde aber zur schönsten des heurigen 4 Islands. Noch mit Ärmlingen von der Fähre gestartet, zogen wir diese bald von unserem Armen und genossen die warme Sonne auf den 65 km und 1500 Höhenmetern. Die Etappe wurde um 8 Kilometer und ca. 250 Höhenmeter verkürzt, da es auf irgendeinem Streckenabschnitt wegen des Regens am Vortag unfahrbar wurde.

4 islands Kroatien 2018, Cres

4 islands Kroatien 2018, Anja und Sandro

Man fährt ja jeden Tag ein ähnliches Tempo und so trafen wir immer wieder dieselben Mixed Teams, wobei wir gegen eines besonders kämpften. An diesem Tag durfte dieses Team im Starblock B starten, wir starteten 5 Minuten später im Startblock C. Sie hatten uns auf der dreckigen Rab-Etappe extrem viel abgenommen, da sie bergab sehr stark waren. Aber an diesem Tag entdeckten wir sie bereits an der ersten Labe – wir hatten 5 Minuten aufgeholt – und unser Ehrgeiz war geweckt.

Die nächsten sehr steilen Anstiege konnten wir gut durchfahren und holten einiges an Vorsprung heraus. Dann allerdings wartete wieder ein leicht fallender, sehr steiniger, schmaler Trail auf uns. Mit unseren Hardtails kamen wir unmöglich auf ein gutes Tempo. Außerdem schmerzte Anja schon der Hintern und sie konnte dadurch nicht mehr so im Sattel sitzen und treten, wie sie es auf einer nicht-steinigen Passage gekonnt hätte. Wir verloren wieder Zeit und plötzlich hörten wir „Ha, wir haben schon wieder alles aufgeholt!“ hinter uns. Denkste! Wir waren 5 Minuten nach diesem Mixed Team gestartet und retteten 6 Sekunden Vorsprung ins Ziel – auf einer Renndauer von 5 h 20 min.

4 islands Kroatien 2018, Cres

Der Spaß war zurück und unser Ehrgeiz am Anschlag. 😀

Auf dieser Etappe war das Ziel an einem anderen Ort, als der Start, nämlich direkt an der Brücke zur Insel Losinj. Unweit vom Ziel lag auch unser Hotel, zu dem wir mit dem Bus gebracht wurden, nachdem wir unsere Räder wieder im Bike Depot abgegeben hatten. Im Bus dorthin saßen zwei Herren von Friesi’s Bikery hinter uns und zeigten uns ihre Bremsbelege vom Vortag: Sie bremsten bereits auf Alu, da der Sand die Belege so mitgenommen hatte. Verrückt!

Die letzten beiden Nächte durften wir in einem sehr schönen 4-Sterne-Hotel direkt am Meer verbringen. Wir hatten noch Zeit vor dem Abendessen den Sonnenuntergang am Meer zu genießen. Wir tankten Kraft für die letzte Etappe, auf der wir 16 Minuten auf unser größtes Konkurrenz-Team aufholen mussten und wollten. 😉

4 islands Kroatien 2018, Anja und Sandro Sonnenuntergang am Meer von Kroatien

4 Islands 4. Etappe: Losinj

40 Kilometer und 900 Höhenmeter: Easy going möchte man wieder meinen. Wir starteten direkt am Hauptplatz am Meer in Mali Losinj – was für eine Kulisse! – und setzten an diesem Tag alles auf eine Karte. Wir wollten an keiner Labe Halt machen und von Anfang an voll fahren ohne Kraft zu sparen – wie auf den letzten Etappen.

Wieder hatten wir wunderschönes Wetter und großartige Tiefblicke auf das Meer, während wir die ersten Anstiege – die extrem steil waren und nur wenige ganz durchfuhren – meisterten.

4 islands Kroatien 2018, Anja

Auch in den Abfahrten nahmen wir dieses Mal mehr Risiko und ließen es auch auf den Geröllpassagen so gut es ging laufen. Schön langsam hatten wir uns an diese Bedingungen gewöhnt. Auch der Muskelkater in den Unterarmen hatte sich mittlerweile verabschiedet. Wir wussten, dass wir bergab auch Gas geben müssen, um unser Konkurrenz-Team in Schach zu halten.

4 islands Kroatien 2018, Anja

Und so ging es wieder über Steine und noch mehr Steine kreuz und quer über die kleine Insel Losinj. Auf die letzten Kilometer hin, entkam Anja nochmal ein ordentlicher Fluch – „Olda dei gschissane Scheiße geht ma scha so am Oasch!!“, weil es einfach nicht aufhörte steinig zu sein.

4 islands Kroatien 2018, Anja schiebt ihr Rad

Doch die Belohnung folgte sogleich: Zieleinfahrt am Strand von Losinj! Juhuu! Überglücklich legten wir uns auf einen der Liegestühle und genossen die Metalmusik (mehr oder weniger), die der Metalfan-Moderator auflegte. 😀

4 islands Kroatien 2018, Anja und Sandro im Ziel

4 islands Kroatien 2018

Fazit

Wieder einmal wurde uns bewusst, dass wir gemeinsam stark und ein super Team sind. Zu zweit ein solch schweres Rennen ohne Streitereien zu schaffen, macht doppelt so viel Spaß.

4 islands Kroatien 2018, Anja und Sandro

Zudem lernt man neue Leute kennen, mit denen man dann die Tage verbringt und hat bestimmte Namen für jene: „Die Grazer“, „Die Steirer“, „Die Blauen“ waren jene Teams, mit denen wir am meisten zu tun hatten, wobei uns „die Grazer“ am liebsten waren und wir diese beiden hoffentlich noch öfter treffen werden. 😉 Danke an euch für die lustigen Diskussionen über die zache Strecke 🙂

4 islands Kroatien 2018, Anja und Sandro mit Christian und Mario

Das 4 Islands war für uns eines der schwersten Rennen, die wir je gefahren sind. Nicht wegen der Höhenmeter und Kilometer, sondern wegen des Untergrunds und der Abfahrten. Wir wissen, dass uns das keiner glaubt, wir hatten es selbst nicht geglaubt, als unsere Trainerin immer wieder sagte, dass wir auch vor den Abfahrten ein Gel nehmen sollen. Aber wir waren meist froh, wenn endlich mal ein Asphaltstück kam – was wir sonst bei den Marathons hassen!

Trotz allem überwiegen die positiven Erinnerungen so sehr, dass wir fast schon wieder daran denken, auch 2019 beim 4 Islands an den Start zu gehen.
We conquered the rocks!

4 islands Kroatien 2018, Anja und Sandro

Ein Danke geht auch an das großartige 4 Islands Team, die uns an jeder Straßenkreuzung anfeuerten, auch wenn wir nicht um die top Plätze mitgekämpft haben. Wir wurden an jeder Labe motiviert und fast schon bedrängt mit Iso, Wasser und Co. 🙂 Sowohl der Moderator als auch alle anderen wussten zu fast jeder Zeit Bescheid, wenn doch mal Fragen auftraten. Und vor allem war auch immer jemand zur Stelle, den man fragen konnte. Egal ob nach dem Zieleinlauf, auf der Fähre oder beim Check-Out im Hotel.

Zusätzlich müssen bei diesem Rennen auch viele Einheimische mitspielen, da man wirklich selten auf Straßen und meist auf schmalen versteckten Trails unterwegs ist. Das bedarf bestimmt einiger Freigaben.

Schon cool zu sehen, was für uns Mountainbiker alles möglich ist, wenn viele an einem Strang ziehen.

4 islands Kroatien 2018

4 islands Kroatien 2018

4 islands Kroatien 2018

4 islands Kroatien 2018

4 islands Kroatien 2018