Stoneman Taurista – alles für den silbernen Stein

2016 nahmen wir bereits den Stoneman in Sexten in Angriff. Als wir von einem neuen Stoneman – dem Stoneman Taurista – in Salzburg hörten, wussten wir sogleich, wo unser Urlaub heuer hingehen würde.

Erfunden, umgesetzt und vorangetrieben von Roland Stauder – dem ehemaligen Mountainbike-Profi – ist der Stoneman eine lange Mountainbike-Tour durch eine wunderschöne Landschaft, die man in 3 (Bronze), 2 (Silber) oder 1 (Gold) Tag(en) fahren kann. Es ist hierbei immer möglich, vom selben Ausgangspunkt zu starten, das heißt ein Quartierwechsel ist nicht zwingend notwendig.

Stoneman Taurista in Silber

Wir trauten uns den Stoneman in 1 Tag zwar zu, wollten uns diese Quälerei in unserem Urlaub aber nicht antun. Der Stoneman Taurista ist mit 123 Kilometern und 4500 Höhenmetern länger als jener in Südtirol.

Bei der Salzkammergut Trophy in Bad Goisern diskutierten wir mit Roland Stauder die Tourenplanung für die Silberversion des Stoneman Taurista. Unser Ausgangspunkt sollte Flachau sein. Eine Möglichkeit ist die Verbindung über den Ennsradweg zu nehmen, also am ersten Tag Grießenkar, Edelweißalm, Rossbrand, Mandlberg und Forstau zu erledigen und retour über den Radweg zu fahren und am zweiten Tag wieder den Radweg retour nach Forstau zu nehmen und die restlichen Checkpoints (Oberhütte, Johannesfall, Sattelbauer) anzufahren. Da der Radweg allerdings ca. 17 Kilometer lang ist, war uns das zu fad. Auch Roland Stauder meinte, dass er den Stoneman Taurista in Silber anders angehen würde.

Stoneman Tourenbeschreibung

Tag 1 (Rossbrand, Mandlberg, Forstau, Oberhütte, Johannesfall, Sattelbauer)

Wir wussten, dass mit dieser Einteilung ein langer Tag auf uns warten würde. Da der Wetterbericht aber ideal für dieses Vorhaben war, waren wir guter Dinge. Um 8 Uhr traten wir unsere Fahrt an. Von Flachau bis Altenmarkt rollten wir uns locker ein und machten uns dann auf die Suche nach dem Einstieg, den wir mithilfe der Karte gleich fanden.

Schon pedalierten wir in den ersten Anstieg hinein. 970 Höhenmeter inkl. 1 Kilometer Schiebepassage war die Vorgabe bis zum ersten Checkpoint „Rossbrand“. Wir kamen gut voran. Alsbald wurden wir von einem Goldfahrer eingeholt, der aus unserer näheren Heimatumgebung stammt und dem – wie wir erst später bemerkten – Anja ihren Garmin 820 Radcomputer über willhaben verkauft hatte.  Man trifft sich wirklich immer zweimal. 😉

Anja bei einer Schiebepassage am Stoneman

Die Schiebepassage Richtung Rossbrand ist gut machbar, teilweise sogar fahrbar. Am Rossbrand angekommen kann man wunderschönes Bergpanorama bewundern. Wir hielten uns aber nicht lange auf, lochten unsere Checkpoint-Karten und fuhren in den Trail bergab ein. Ein Trail, der nicht ganz ohne ist, mit einigen Absätzen und Wurzeln. Lange ist dieser aber nicht von Dauer, man hält sich bald Richtung Forststraße. Dort macht man dann schnell Meter und kommt mit ein paar Pedalumdrehungen am Mandlberg an.

Anja und Sandro am Stoneman

Von Mandlberg nach Forstau erwarteten uns dann noch gut 300 Höhenmeter auf einem breiten Schotterweg, die wir aber gut meistern konnten.

Stoneman Trail

Vorsicht! Der Checkpoint in Forstau ist schnell übersehen! Man kommt leicht bergab eine Asphaltstraße runter, die Tafel steht gleich rechts im Ort. Vorsicht ist auch beim Lochen der Karten geboten. Immer wieder bleiben die Karten im Locher hängen, einmal brauchten wir sogar Werkzeug um unsere Karte wieder heraus zu bekommen.

Anja kurz vorm Obersee am Stoneman

Nach Forstau stellen wir uns auf über 900 Höhenmeter ein. Das Teilstück beginnt mit einem gemütlichen Anstieg taleinwärts, bis dann die „grobe“ Arbeit beginnt. Steil bergauf geht es auf einem breiten Schotterwanderweg hinauf zur Oberhütte. Zum Glück ist es bewölkt, in der prallen Sonne wäre es mühsam geworden. Wir sind allerdings immer noch guter Dinge und arbeiten uns weiter und weiter nach oben, bis wir vor einem schönen See und der dazugehörigen Hütte stehen. Checkpoint Oberhütte – wir sind da!

Anja und Sandro am Obersee vom Stoneman

Ein leichter Stoneman – bis jetzt!

Wir waren darauf eingestellt, dass es nach der Oberhütte nochmal richtig hart werden würde, denn: Auf der Karte waren Schiebe- und Tragepassagen vermerkt. Wir stärkten uns nochmal mit Banane und Gel und fuhren (noch!) den alpinen Steig entlange. Immer wieder mussten wir abspringen: Solche verblockten, schmalen Wanderwege sind nicht gerade unsere Stärke. Irgendwann ging dann nichts mehr mit Fahren und wir mussten schieben, teilweise tragen.

Stoneman Trail

Wichtig ist, dass man vor diesen Passagen noch genügend Reserven hat, denn dieses Teilstück bis Obertauern kostet ziemlich viel Energie. Auch muss man vorsichtig sein, wo man mit den Radschuhen und dem Bike am Rücken hintritt, wenn es über felsige, steile Stücke geht.

In Begeisterungsrufe verfallen wir hier nicht gerade. Wir sind mehr die RadFAHRER und weniger RadTRÄGER. Aber das ein Stoneman leicht werden würde, hat niemand behauptet.

Anja am Stoneman Trail

Endlich sehen wir Obertauern unter uns. Wir schieben die letzten schmalen, steinigen Kehren nach unten bis zum breiten Schotterweg und lassen es dann endlich wieder laufen. In Obertauern müssen wir feststellen, dass dieser Ort im Sommer richtig unschön anzusehen ist. Man fühlt sich, wie in einer Geisterstadt. Baustellen überall. Hier kommt man wohl doch besser nur im Winter her. Wir freuen uns, als wir eine Spar-Supermarkt-Fahne sehen, müssen aber enttäuscht feststellen, dass dieser nur bis 13 Uhr geöffnet hatte. Was solls? Dann halt noch ein Energy-Gel. Leeecker!

Blick Richtung Obertauern, Stoneman

Von Obertauern geht es über Seitenwege talauswärts. Wer hier keine Zeit verschwenden möchte, nimmt die Hauptstraße. Der Verkehr hält sich vor allem unter der Woche in Grenzen und über die gekennzeichnete Schleife macht man „unnötige“ Umwege vorbei an diversen Almen.

Anja und Sandro am Stoneman

Da das Wetter nun doch Anstalten macht, uns einen Strich durch die Rechnung zu machen, beeilen wir uns, so gut es noch geht, bis Altenmarkt zu kommen. Dort erwartet uns bereits ein schwarzer Himmel. Was tun? Ein Anstieg mit 650 Höhenmeter zum Sattelbauer wäre noch geplant. Es bliebe nur die Option, diesen Anstieg am zweiten Tag noch mitzunehmen.

Wir entscheiden uns, es zu versuchen und hoffen nicht vom Gewitter erwischt zu werden. Rechts hinter den Bergen sehen wir schon den Regen kommen…

Anja und Sandro am Stoneman

Anja möchte im Normalfall jeden Anstieg selbst fahren und lässt sich nicht anschieben. Hier musste sie aber ihre Grundsätze über Bord werfen. Hunger, Müdigkeit und Angst vor dem Gewitter waren größer und so begann Sandro Hilfe zu leisten. Im E-Bike-Tempo gings nach oben. Sandro betete drei Vater-unser. Immer wieder spürten wir ein paar wenige Regentropfen bis wir ENDLICH das Gasthaus Sattelbauer vor uns sahen. Erleichterung pur!

Schnell die Checkpoint-Karte gelocht und dann ab ins Gasthaus. Aber warte….wer steht denn da mit dem E-Bike vor der Tür? Sandro erkannte Michael Walchhofer – die österreichische Ski-Abfahrtslegende. Schnell noch ein Selfie und ein blöder Spruch über das Zusammenpassen Abfahrtsoberschenkeln und E-Bike, und dann endlich ESSEN!

Anja und Sandro mit Walchhofer Michael am Stoneman Trail

Insgesamt haben wir an diesem Tag gut 9 Stunden am Bike verbracht. Es waren 102 Kilometer und 3200 Höhenmeter.

Tag 2 (Grießenkar, Edelweißalm)

Im Vergleich zum Vortag würde der zweite Tag ein leichter werden: Gut 25 Kilometer und 1200 Höhenmeter lagen noch auf dem Weg zum Ziel. Ohne Wecker wachten wir auf und siehe da: Das Wetter war besser als erwartet! Gestärkt vom Frühstück radelten wir in den langen Anstieg über 900 hm auf das Grießenkar. Hintern und Beine wollten zwar nicht wirklich mitmachen, hatten aber keine andere Wahl. Umdrehung um Umdrehung fuhren wir in gemächlichem Tempo nach oben, bis wir vor unserem vorletzten Checkpoint standen – dem Grießenkar. Auch hier genießt man eine tolle Aussicht. Bergab geht’s dann über den Bikepark Wagrain, wobei ein Teilabschnitt nicht gerade ohne ist. Dieser kann aber umfahren werden (ist auch ausgeschildert).

Anja am Stoneman

Nach unterem, flowigen Teil, kommen wir an der Talstation der Sesselbahn an, halten uns rechts und begeben uns in den finalen Anstieg auf die Edelweißalm. Die Sonne brennt uns auf den Rücken, während wir die Asphaltstraße hinaufkurbeln. Wir sehen die ersten Sonnenschirme und wissen: Das Ziel ist nicht mehr weit!

Auf der Edelweißalm belohnen wir uns mit Kasnocken und Hüttentoast, stechen das letzte Loch in unsere Checkpointkarte und nehmen die Forststraßenabfahrt und den Radweg retour nach Flachau, wo wir uns unseren silbernen Stein abholen. Geschafft!

Anja und Sandro mit dem Stoneman Stein in Silber

Fazit Stoneman Taurista

Möchte man den Stoneman Taurista an einem Tag fahren, sollte man gut trainiert sein und auf ausreichend Essenspausen achten. Unbedingt auch früh starten! Wie gesagt, sollte man für die Schiebe- und Tragepassagen nach der Oberhütte noch einige Energiereserven übrig haben. Mit einem E-Bike können wir uns das Ganze nur schwer vorstellen – schon mit unseren 8,5 kg-Bikes war es nicht ohne.

Wenn wir den Stoneman Taurista nochmal in 2 Tagen machen würden, würden wir auf der Oberhütte nächtigen. So startet man am nächsten Morgen frisch in die Tragepassagen. Und der Sonnenaufgang dort ist bestimmt auch nicht schlecht. 😉

Im Vergleich zum Stoneman in Sexten, fährt man hier beim Taurista mehr breite Forsstraßen. Beim Stoneman in den Dolomiten ist man viel in der Höhe unterwegs und genießt die Fernblicke über eine längere Dauer.

Wichtig bei all diesen Vorhaben: Aufs Essen nicht vergessen und diese Zeit auch einplanen!

Stoneman Stein in Silber mit Sandro´s Bike