Zillertal Bike Challenge – lang, steil und hoch

Grundsätzlich war die Zillertal Bike Challenge ja eines unserer gesteckten Ziele für 2018. Allerdings wurden wir dann zwei Wochen davor etwas unsicher: Wir hatten schon die vergangenen Wochenenden immer auf Rennveranstaltungen verbracht, außerdem ist ein Etappenrennen auch nicht gerade billig. Quartier hatten wir auch noch keines gebucht. Zudem hatte Sandro die Wochen davor leichte Motivationsprobleme und wir entschieden uns vorerst dafür, ein paar coole Touren ohne Rennstress an diesem langen, freien Wochenende zu fahren.

Das Wochenende zuvor packte uns aber dann doch das Rennfieber. Beim KitzAlpBike hatten wir solchen Spaß, dass wir uns entschlossen, doch nochmal den weiten Weg nach Tirol auf uns zu nehmen. So fuhren wir am Sonntag von Kitzbühel nach Hause, gingen Montag, Dienstag und Mittwoch zur Arbeit und reisten am Mittwoch wieder 5 Stunden ins Zillertal.

Zillertal Bike Challenge

Am Donnerstag begaben wir uns in die Festhalle, um unsere Startnummern auszufassen. Anja startete in der Princess-Kategorie, Sandro in der King-Wertung. Bei der Zillertal Bike Challenge gibt es die Wahlmöglichkeit zwischen Lord/Lady (mehrere Bergbahnen, wenig hm/km), Prince/Princess (wenige Bergbahnen, mittlere km/hm) oder King/Queen, bei der die volle Distanz und die vollen Höhenmeter ohne Bergbahnen zurückgelegt werden.

Beim anschließenden Rider’s Meeting langweilten wir uns ehrlich gesagt ein bisschen. Im Vergleich zum 4 Islands wurden hier alle „pipikleinen“ Gefahrenstellen hervorgehoben, es wurde jedes Mal gesagt, welche Bekleidung man mitbringen muss und dass man sein Handy einstecken soll. Vor der letzten Etappe ließen wir das Rider’s Meeting dann sogar komplett ausfallen. Wir sind dann doch keine unerfahrenen Rennfahrer mehr und konnten es nicht mehr hören, dass ein Kuhgitter eine Gefahrenstelle darstellt. 😉

Zillertal Bike Challenge

Etappe 1: Fügen – Zell am Ziller (67 km/3042hm KING bzw. 65,4 km/2273 hm PRINCESS)

Mit dem Zug – den man das Rennen über kostenlos nutzen kann – wurden wir in aller Früh von unserem Quartierort Zell am Ziller nach Fügen gebracht, wo der Start der ersten Etappe stattfand. Anja war außergewöhnlich nervös, mochte nicht viel reden und zwang sich das letzte Ensure den Hals runter. Auch hatte sie großen Respekt vor der heutigen Aufgabe. Noch nie war sie in einem Rennen über 2000 hm unterwegs. Schon gar nicht, wenn noch 2 Etappen darauf folgen. Sandro nahm es locker und konnte sich gut auf die langen Anstiege einstellen.

Nach dem Startschuss ging es einen – für Sandro 1500 hm langen – Anstieg zur Bergstation der Spieljochbahn hinauf. Anja durfte sich bei der Mittelstation in die Bahn setzen, wo es allerdings einen kleinen Stau gab. Zwar werden ca. 10 Minuten für die Bahnfahrt abgezogen, wartet man allerdings länger, verliert man an Zeit. Ideal wäre hier natürlich eine Zeitnehmung vor dem Einstieg in die Bahn und eine nach dem Ausstieg.

Zillertal Bike Challenge

Mitten im Anstieg kam dann auch der Regen. Da wir es doch auf knapp 2000 Meter Seehöhe schafften, war es recht frisch. Jacke an, Abfahrt, Jacke aus. An den Labestellen gab es ausreichend Verpflegung, wo wir beide unsere Flaschen vor dem letzten Anstieg auffüllten, denn der zweite Anstieg zog sich für uns beide über 1000 hm hinauf. Eine schnelle Abfahrt später, erreichten wir das Ziel in Zell am Ziller – Sandro sehr zufrieden, Anja eher verärgert, da es doch zu viel Respekt vor der Strecke war und der Zeitabstand recht groß war.

Zillertal Bike Challenge

Etappe 2: Zell am Ziller – Mayrhofen (69 km/2994 hm KING bzw. 55,1 km/1352 hm PRINCESS)

Der zweite Morgen brach an – mit Sonnenschein juhu!! Es war ein gemütlicher Morgen, da der Start direkt vor unserer „Quartiertür“ stattfand. Sandro startete etwas früher in sein Rennen und durfte sich gleich mal auf einen 2000 hm-Anstieg freuen. Solch lange Anstieg kennen wir hier in der Oststeiermark nicht, daher ist es doch eine coole Herausforderung. Für Anja stand ein „gewohnter“ Marathon am Programm. Glücklicherweise ließ es die Schneelage heuer auch zu, dass über das Übergangsjoch gefahren wurde. Hier galt es, das Bike über eine 35 % Steigung zu schieben.

Zillertal Bike Challenge

Was wir so in den Augenwinkeln mitbekamen, war die Landschaft auf der weiteren Strecke wunderschön. Wir möchten unbedingt zum Tourenfahren hieher zurückkommen!

Auf dieser Etappe gab es dann auch ENDLICH zwei Singletrails zu fahren. Kurz aber doch! Leider blieb es das ganze Etappenrennen über bei diesen beiden Trails. Möchte man die Zillertal Bike Challenge also fahren, sollte man sich auf Forststraßen und Asphaltstraßen bei Anstiegen und Abfahrten einstellen!

Nach dem letzten Anstieg landeten wir wieder in Zell am Ziller und mussten von dort noch den ca. 10 km langen Radweg bis nach Mayrhofen fahren. Zach!

Zillertal Bike Challenge

 

Im Ziel angekommen gab es für uns einmal das umgekehrte Spiel: Anja durfte auf Sandro warten. 😉 Die perfekte Organisation verkürzte aber jegliche Wartezeiten. Man konnte sich nach jeder Etappe direkt mit Nudeln und Salat verköstigen. Zusätzlich dabei waren jeweils zwei Getränkegutscheine pro Etappenort. Ein Bikepark machte uns das Leben im Zielbereich ebenfalls einfacher. Am letzten Tag im Tuxer Ferner – Haus wurden wir sogar mit einem Buffet mit haufenweise Köstlichkeiten verwöhnt! Besser geht’s kaum!

Etappe 3: Mayrhofen – Hintertuxer Gletscher (50 km/3090 hm KING bzw. 27,7 km /1480 hm)

Ja, die Zahlen sind korrekt. Wenn über 3000 Höhenmeter auf einer Distanz von 50 Kilometern warten, kann man sich ungefähr vorstellen, wie steil es werden würde. Und es wurde sehr steil! Der erste Anstieg auf den Penken war eigentlich nur das Aufwärmen, auf das was Richtung Hintertuxer Gletscher warten würde. Ein Wahnsinn! Wo kommt man schon mit dem Mountainbike auf knapp 3000 Meter Höhe.

Zillertal Bike Challenge

 

Zillertal Bike Challenge

Anja durfte zwar bis zur Mittelstation mit der Bergbahn fahren, hatte aber ab dort ebenfalls Anstiege zu bewältigen, die nie unter 14-15 % Steigung lagen. Zwischendurch gab es Rampen, die 25-30 % Steilheit aufwiesen.

Diese Etappe war kein Kampf mehr gegen unsere Gegner, sondern vielmehr ein Überlebenskampf mit uns selbst. Erleichterung pur, wenn man dann endlich das Tuxer Ferner-Haus entdeckt und noch einigermaßen am Rad sitzt. Denn für viele wurde diese letzte Etappe zum Wandertag. Wir konnten den größten Teil des Weges fahrend schaffen und so erreicht wir überglücklich das Ziel direkt auf der Terrasse des Tuxer Ferner-Hauses.

 

Zillertal Bike Challenge

 

Zillertal Bike Challenge

Fazit zur Zillertal Bike Challenge

Leider hörten wir, dass die Zillertal Bike Challenge zum letzten Mal stattgefunden hat. Ob Gerücht oder Wirklichkeit – wir wissen es nicht. Bei 400 Startern, dem ein solch riesiger Aufwand gegenübersteht aber verständlich.

Zillertal Bike Challenge

Das Rennen ist grundsätzlich sehr interessant und auch mal etwas ganz anderes – vor allem das System mit den Bergbahnen. Für uns Vollblut-Mountainbiker waren die Abfahrten aber doch eher auf der langweiligen Seite – wobei es auch auf den Forststraßen genügend Stürze von Teilnehmern gab.

Die Herausforderung liegt bei diesem Rennen sicher in den laaangen, teils sehr steilen Anstiegen. Wer also eine Berggams mit Angst vor schwierigen Trails ist, ist hier vollkommen richtig. 🙂

Zillertal Bike Challenge