24 Stunden Hitzendorf – von Stärken und Schwächen

Erwartungen sind da, um erfüllt zu werden. Weiß man allerdings nicht, was einen erwartet, ist es auch schwer sich darauf einzustellen. Bei meinen heurigen Bewerben wusste ich größtenteils, was auf mich zukommt. Sogar bei der Zillertal Bike Challenge verspürte ich – im Gegensatz zu Anja – keinerlei Nervosität. Vor meinem letzten Ziel dieses Jahr – mitunter sogar das größte – machte sich dann doch Anspannung breit. Passieren kann alles oder nichts. Zudem hat man vor dem ersten 24 Stunden Rennen keine Ahnung, wie es sich anfühlen würde, nachts um 3 Uhr zum unzähligsten Mal, eine Runde von 3,5 Kilometern, mit dem Fahrrad zu bewältigen.

Was mich dann tatsächlich an Positivem und Negativem erwartet hat, möchte ich euch, mit sich daraus ableitenden Tipps, erzählen.

Sandro beim 24 Stunden Rennen in Hitzendorf

+ Körperliche Fitness

Schon in der Vorbereitung auf die 24 Stunden merkte ich in den 8-Stunden-Einheiten, dass ich eine gute Wattzahl halten kann. Dies bestätigte sich dann auch im Bewerb. Ich verblieb bis zu meinem Rennende in den Top10 und „rutschte“ auch über die hügeligen Passagen des Kurses gut drüber.

  • Mountainbike-Rennen liefern Rennhärte für Passagen, bei denen man kurz „Druck“ geben muss.
  • Eine starke Grundlagen-Basis ist die Voraussetzung für lange Trainings und den Bewerb.
  • Lange Trainingseinheiten vor dem Bewerb geben Selbstbewusstsein und liefern Testwerte.

Sandro beim 24 Stunden Rennen in Hitzendorf

+ Material

Man meint ja oft, dass nur der Sattel Schuld an Sitzproblemen sei. Ich bin überzeugt, dass dies nicht der Auslöser für die späteren Probleme war. Die Sitzposition habe ich im Vorhinein gut für die 24 Stunden abgestimmt und alle anderen Teile am Rad überprüft.

  • Die Vorbereitung des Materials hat ungefähr dieselbe Priorität, wie die Vorbereitung des eigenen Körpers. Bereits Kleinigkeiten können große Auswirkungen auf die Mentalität haben.
  • Sitzposition gut abstimmen und testen, damit keine oder nur wenige Rücken- und Gelenkschmerzen auftreten.
  • Aufleger verwenden. Nicht nur um in der Ebene dem Wind zu entkommen, sondern auch um sich und seine Hände etwas auszuruhen.
  • Das Licht am Rad sollte möglichst hell sein. Beim Akku ist es sehr von Vorteil, wenn dieser die ganze Nacht hält. Ansonsten verliert man bei einem Tausch des Akkus schnell mal den Anschluss an „seine“ Gruppe.

Sandro beim 24 Stunden Rennen in Hitzendorf

– Sitzprobleme

Dieser Punkt war zwar nicht der einzige, den ich bei kommenden 24h-Herausforderungen verbessern will, allerdings hat dieser zu meiner Aufgabe geführt. Meiner Meinung nach war es nicht der Sattel und auch nicht der Sitzpolster in der Hose.

  • Einschmieren BEVOR Probleme auftreten, nicht nur einzelne Stellen sondern am besten gleich am ganzen Sitzpolster Creme auftragen.
  • Vorsicht beim Rasieren an Stellen, die der Reibung beim Sitzen ausgesetzt sind. 😉 Nicht kurz vor dem Event rasieren!
  • Im Vorhinein bereits testen, was und z.B. welche Creme einem gut tut.

Sandro beim 24 Stunden Rennen in Hitzendorf

– Ernährung

Hier habe ich mich stark am König der Ultracycling-Szene – Christoph Strasser – orientiert. „Ensure“ war das Mittel zum Zweck, um ausreichend Kalorien zuzuführen. Allerdings stand mir dieses süße Gebräu schon nach wenigen Stunden bis zum Hals und jeder weitere Schluck fiel mir schwer. Zwischendurch gabs dann ein bisschen Suppe und Weißbrot, was mich bis zum Rennende gerettet hat.

  • Nur weil es fürs Vorbild funktioniert, heißt es nicht, dass es für mich funktioniert. Hier muss man selbst austesten und seinen eigenen Weg finden.
  • Ensure ist natürlich ideal, wenn man es dauerhaft trinken kann. Wenn nicht, braucht es zwischendurch Alternativen.
  • Ich werde mir das nächste Mal diverse Suppen (Kartoffelsuppe, Buchstaben-Nudelsuppe, etc.) in kleinen Flaschen (z.B. leere Ensure-Fläschchen) abfüllen. Auch Weißbrot kann ab und an Wunder wirken.

Sandro beim 24 Stunden Rennen in Hitzendorf

–  Mentale Einstellung bei Problemen

Während der letzten Stunden hatte ich das Gefühl, nicht mal mehr im Stehen fahren zu können. Meine Gedanken kreisten nur noch um meinen schmerzenden Hintern und ich verlor die Konzentration auf mein Ziel, das Rennen zu finishen. Jetzt im Nachhinein frage ich mich, ob sie wirklich so schlimm waren, oder ob man mit einem Hosen-Wechsel Abhilfe schaffen hätte können.

  • Mögliche Problem-Szenarien im Vorhinein nicht ausblenden, sondern klar bedenken und dazu verschiedene Lösungen finden.
  • Beim Auftreten eines Problems, zuerst die Lösungen probieren, bevor man aufgibt.

Sandro beim 24 Stunden Rennen in Hitzendorf

– Kommunikation mit Betreuern

Bei der Ultra Rad Challenge in Kaindorf betreute ich bereits zwei Mal meinen Papa. Dort war Funk unnötig, da der Anstieg auf den Weichselberg genug Zeit bietet, um zu besprechen, was für die nächste Runde vorbereitet sein muss. Beim 24 Stunden – Bewerb in Hitzendorf rauscht man vor allem in den ersten Stunden durch den Start-Zielbereich. Unmöglich hier innerhalb von wenigen Sekunden etwas an seine Betreuer weiterzugeben.

  • Überlegung je nach Gegebenheiten am Rennkurs ob Funk Sinn macht, oder nicht.

Sandro beim 24 Stunden Rennen in Hitzendorf

Abschließend bleibt zu sagen, dass ich trotz dem „Oasch hoch“ auch  den „Kopf hoch“ habe. Es war mein erster Versuch, meine erste Aufgabe, aber sicher nicht meine letzte Teilnahme an einem 24 Stunden-Bewerb. Danke an alle für die aufmunternden Worte und die hilfreichen Tipps für meinen nächsten Versuch. Ein Dankeschön geht an meine Teamkollegen vom WSA greenteam, die sich zusammengefunden haben, um mich als „Grüner“ nicht allein die Runden drehen zu lassen und an meine Eltern die für mich ihr bestmögliches gegeben haben.

Sandro beim 24 Stunden Rennen in Hitzendorf

Impression beim 24 Stunden Rennen in Hitzendorf

Impression beim 24 Stunden Rennen in Hitzendorf